Stuttgart, 25.01.2025
Die Bienenzuchttage Baden-Württemberg standen dieses Jahr ganz im Zeichen eines besonderen Sterns: 25 Jahre Buckfastimker-Süd – ein Jubiläum mit spannenden Vorträgen und tollem Austausch! Zu diesem Anlass versammelten sich Imker und Experten aus der Region und darüber hinaus, um zu feiern und in die Welt der modernen Imkerei einzutauchen.
Der Bienenzuchtverein Schwäbisch Hall – Hohenlohe war natürlich auch vor Ort, um in den Austausch zu treten und um bei der feierlichen Ehrung von Walter, Rudi und Ingo als Gründungsmitglieder feierlich teilzunehmen. Weitere Highlights des ersten Tags waren u.a. der Vortrag von Paul Jungels und Dr. Natuschka Lee. Es ging um Vererbung, Genetik, Varroaresistenzucht, Konkurrenz zwischen Honigbiene und Wildbiene, das Mikrobiom in der Imkerei usw. Da ein Referent kurzfristig ausfiel hielt Marian Meyer einen herausstechenden und sehr interessanten Ersatzvortrag über die Erfolge bei Arista und deren Zuchtkonzept zur Varroaresistenz.

Auf dem Gruppenfoto von links nach rechts: Paul Jungels, Ingo Maas, Walter Obermüller, Jan Hendrik Sauselin und Thomas Hok, Vorsitzender des Imkerverbands Rheinland-Pfalz.
Vererbung und Genetik in der Varroaresistenzzucht
Paul Jungels entführte das Publikum in seinem Vortrag „Vererbung und Genetik in der Varroaresistenzzucht“ in das wichtige Thema der Bienenzucht. Er zeigte eindrucksvoll, wie gezielte Zuchtansätze und genetische Vielfalt die Resilienz unserer Bienen stärken können.
Die Erbanlagen für VSH liegen auf dem ersten und neuntem Chromosom.
Pauls Vorgehensweise und Arbeitsplanung im Dreisprung
Paul präsentierte seine Dreisprung-Vorgehensweise zur Optimierung der Resistenzgenetik in der Imkerei. Schritt für Schritt stellte er dar, wie durch gezielte Planung und Umsetzung langfristige Verbesserungen erzielt werden können, wobei er betonte, dass er heute nicht mehr der Ansicht sei, dass resistente Bienen eine geringe Hongleistung bringen würden:
1. Intensivierung der Resistenzgenetik in separaten Zuchtlinien
Im ersten Schritt werden gezielt Zuchtlinien mit erhöhter Resistenzgenetik entwickelt. Dazu gehört die Einkreuzung aktiver Genetik aus bereits bestehenden Linien. Mithilfe der sogenannten Ein-Drohn-Besamung (sD) wird die Nachzucht präzise kontrolliert und „gefiltert“. Anschließend werden die Bienenvölker infiziert, gezählt und die Ergebnisse dokumentiert. Parallel erfolgt eine intensive Inzucht der besten Linien, um die gewünschten genetischen Eigenschaften zu festigen.
Varroaresistenzmerkmale werden nach heutigen Erkenntnissen rezessiv vererbt.
2. Inkorporierung der Resistenzgenetik in den Grundstamm
Im nächsten Schritt wird die Resistenzgenetik in den Grundstamm der Bienenvölker eingebunden. Dies geschieht durch gezielte Auswahl der Drohnenlinien, die über Besamung und Belegstellen weitergegeben werden. Die genetischen Anpassungen erfolgen über mehrere Generationen hinweg. Um die Zucht zu vereinfachen, wird zusätzlich eine Anpaarungszone für Standbegattungen eingerichtet.
3. Progressive Aufhebung der Behandlungen
Im dritten Schritt wird die Notwendigkeit chemischer Behandlungen schrittweise reduziert. Winterbehandlungen mit Oxalsäure werden vollständig tabuisiert. Stattdessen erfolge nur noch eine selektive Behandlung mit Ameisensäure (sofern notwendig) im August bei Ertragsvölkern. Diese Methode zielt darauf ab, die Resistenzgenetik aktiv zu fördern und zu stärken.
Bruthygiene ist wichtig in der Bienenzucht, jedoch kann von ihr in der Regel nicht auf Varroaresistenz geschlossen werden.
Mit dieser klar strukturierten Vorgehensweise zeigt Paul einen effektiven Weg auf, um langfristig robuste und widerstandsfähige Bienenvölker zu züchten. Weitere wichtige Themen waren:
• Varroa Sensitive Hygiene (VSH): Bienen entfernen befallene Brut aktiv.
• Epigenetische Einflüsse: Wie Gene und Umwelt zusammenarbeiten, um Resistenzen zu fördern.
• Kombinationszucht: Genetische Vielfalt durch Crossing Over und Selektion als Schlüssel zum Erfolg.
Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und zeigte, wie Bienenzucht, Wissenschaft, Engagement und Imkerliche Praxis Hand in Hand gehen können, um die Zukunft unserer Bienen zu sichern. Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten für dieses inspirierende Jubiläum!
Nachhaltigkeit im Umgang mit Wild- und Honigbienen
Dr. Natuschka Lee hob die Notwendigkeit eines ganzheitlichen und differenzierten Ansatzes im Umgang mit Wild- und Honigbienen hervor. Sie betonte, dass Schwarz-Weiß-Denken überwunden werden müsse, um nachhaltige Lösungen zu finden.
Nisthilfen und Pflanzensamen böten zwar Chancen, erfordern jedoch eine gezielte Analyse, welche Arten tatsächlich profitieren. Zudem sein ein ungesunde, nicht nachhaltige Imkerei abzulehnen; Imker sollten besser informiert und organisiert arbeiten, um den Naturschutz zu fördern.
Abschließend unterstrich Lee die zentrale Rolle von Bildung und Forschung, um ökologische Zusammenhänge besser zu verstehen und effektive Maßnahmen zu entwickeln. Zusammenarbeit und Wissen sind der Schlüssel zur Sicherung der Biodiversität und einer nachhaltigen Bienenhaltung.
Die Rolle des Mikrobioms in der modernen Imkerei
In ihrem Vortrag zur „Rolle des Mikrobioms in der modernen Imkerei“ hat sie spannende Einblicke in die Verbindung zwischen Mikroben und Bienen gegeben. Hier sind einige Highlights:
Mikroben und Perspektiven Bakterien haben eine unglaubliche Wahrnehmung: Sie sind so groß und sehen Atome so, wie wir Menschen Sandkörner am Strand wahrnehmen. Ihre Welt ist winzig – und doch so bedeutsam.
Genetische Vielfalt Schon gewußt? – Die genetische Differenz zwischen einem Menschen und einem Löwenzahn ist angeblich fast null im Vergleich zu zwei ähnlichen, aber unterschiedlichen Bakterien. Ein erstaunlicher Vergleich, der die Vielfalt der Mikrobenwelt unterstreicht.
Insektenflügel und ihre Superkraft Insektenflügel schimmeln nicht – und das aus gutem Grund: Sie haben antimikrobielle Eigenschaften, die sie vor Keimen schützen.
Bienen als Mikrobiom-Experten Bienen sind wahre Meister der Mikrobiologie: Sie können Mikroben im Nektar sowie Vireninfektionen erkennen. Ein faszinierender Mechanismus, der sie und ihre Kolonien schützt.
Bienen und Gesundheit Bienen ernähren sich von Honig – und haben trotzdem kein Diabetes. Ihr Stoffwechsel ist perfekt an ihre Lebensweise angepasst.
Dieser Vortrag zeigte, wie faszinierend die Verbindung von Bienen, Mikroben und ihrer Umwelt ist – und welche Schlüsselrolle das Mikrobiom in der Imkerei spielt.
Brutraumgespräch: Hochkarätige Podiumsdiskussion zu aktuellen Imkereithemen
Als krönender Abschluß fand im Rahmen des sog. „Brutraumgesprächs” eine spannende Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Gästen statt.
Auf dem Podium saßen u.a. Eugen Neuhauser, Paul Jungels, Klaus Fehrenbach, Dr. Kirsten Traynor, Thomas Hock und weitere Experten. Moderiert wurde die Diskussion von Oeli Oelkrug und Marie Förster.

Natürlich wurde über das 25-jährige Jubiläum und die Gründung des Verbands Buckfastimker-Süd gesprochen – die Themen waren vielfältig und lagen auf aktuellen und kontroversen Themen der Imkerei. Diskutiert wurden unter anderem:
• Varroatoleranz als zentrale Herausforderung,
• die OLAF-Berichte zur Honigverfälschung,
• Bedrohungen durch invasive Arten wie die Vespa velutina (Asiatische Hornisse) und die Tropilaelaps-Milbe,
• sowie die Qualität der Imkerausbildung, die zunehmend mit der sogenannten “YouTube-Imkerei” konkurriert und kritisiert wird.
Einigkeit herrschte auf dem Podium darüber, dass eine hochwertige Ausbildung essenziell ist – auch wenn die meisten Imker als Quereinsteiger den Großteil ihres Wissens in der Praxis erwerben.
Spannend wurde es bei der Diskussion um die Resistenz-Zucht. Dr. Kirsten Traynor betonte, dass eine effektive Zucht große Populationen benötigte, also mindestens 1.000 Völker umfassen sollte, um genetische Vielfalt und Resistenz zu fördern.
Paul Jungels widersprach und argumentierte, dass auch kleinere Imkereien erfolgreich resistente Bienen hervorbringen könnten. Mit einem Augenzwinkern schlug Traynor vor, 20 seiner Königinnen für ihre eigene Zucht zu übernehmen, um dies auf die Probe zu stellen.
An dieser Stelle hat natürlich auch der BZV angeboten, diese Prüfung in Schwäbisch Hall – Hohenlohe durchzuführen. 😇
Jazziger Ausklang
Der Abend fand seinen Ausklang in entspannter Atmosphäre bei jazziger live Musik, die den Raum mit warmen Klängen erfüllte. Teilnehmer und Podiumsgäste nutzten die Gelegenheit, um in persönlichen Gesprächen weiter zu diskutieren, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Ein gelungener Abschluss für einen Abend, der nicht nur durch spannende Themen, sondern auch durch Gemeinschaft und Inspiration geprägt war.

