Schwäbisch Hall, 21. März 2026
Vortrag über die asiatische Hornisse
Nils Overzier hält nach der Jahreshauptversammlung des Bienenzuchtvereins Schwäbisch Hall – Hohenlohe einen Vortrag über die asiatische Hornisse. Gäste aus der Umgebung haben das Angebot sehr gerne angenommen.

„Herzlichen Dank für den spannenden und wertvollen Vortrag, Nils.”
Entwicklung
Die Entwicklung der Hornisse vom Ei bis zum erwachsenen Tier dauert bei der ersten Generation von Arbeiterinnen etwa 50 Tage. Mit zunehmendem Nestwachstum, steigenden Temperaturen und der Fähigkeit der Arbeiterinnen, die Nesttemperatur aktiv zu regulieren, verkürzt sich diese Entwicklungszeit jedoch.
Untersuchungen der einzelnen Entwicklungsstadien von Vespa velutina auraria ergeben folgende Zeiträume:
- Ei-Stadium: 9–15 Tage
- Larvenstadium: 10–18 Tage
- Puppenstadium: 15–20 Tage
Unter Laborbedingungen ergaben sich durchschnittliche Werte von:
- 13 Tage (Ei)
- 15,8 Tage (Larve)
- 19,3 Tage (Puppe)
„Insgesamt beträgt die Entwicklungsdauer vom Ei bis zum Schlüpfen der erwachsenen Hornisse durchschnittlich 48,1 Tage.“
Dong & Wang (1989)
Locktöpfe
Locktöpfe stellen eine sinnvolle Maßnahme im zeitigen Frühjahr dar, um Königinnen der Asiatischen Hornisse zu fangen.

Mischung: 1/3 Bier, 1/3 süßer Wein, 1/3 Himbeersirup
z. B. in einem Glas mit Docht anbieten
Kosten-Nutzen-Analyse
Eine flächendeckende Ausrottung ist nicht mehr realistisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll. Stattdessen werden Maßnahmen gezielt dort eingesetzt, wo sie den größten Effekt haben – etwa zum Schutz von Imkereien und sensiblen Bereichen.
Fazit
Der Einfluss der investiven Art kann durch gemeinsames Handeln begrenzt werden.
Entscheidend sind Aufmerksamkeit, richtige Einordnung und gezielte Maßnahmen im richtigen Moment.
„Die Asiatische Hornisse ist gekommen, um zu bleiben!“
Fazit
Die Vespa Velutina breitet sich weiter aus – besteht Grund zur Sorge?
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist längst in Deutschland angekommen und breitet sich zunehmend aus. Auch in unserer Region wird sie häufiger nachgewiesen. Für Imkerinnen und Imker, aber auch für Landwirtschaft und Biodiversität stellt diese invasive Art eine wachsende Herausforderung dar. Doch was macht diese Hornisse so besonders – und wie können wir richtig reagieren?

Lebenszyklus: Vom Embryonalnest zum Sekundärnest
Der Jahreszyklus der Asiatischen Hornisse beginnt früh im Jahr:
Bereits im März gründet die überwinterte Jungkönigin allein ein sogenanntes Embryonalnest. Bei Temperaturen ab etwa 12-15 °C beginnt sie mit der Nahrungssuche und dem Nestbau.
Bis Anfang Mai entwickeln sich daraus die ersten Arbeiterinnen, und das Nest wächst zum Primärnest heran. Durchschnittlich dauert es 48 Tage vom Ei bis zur fertigen Arbeiterin.
Im weiteren Verlauf kann entweder:
- das Primärnest erweitert werden oder
- ein Sekundärnest entstehen – meist in größerer Höhe und oft bis zu 30 Meter entfernt vom ursprünglichen Standort.
Der Jahresverlauf im Überblick:
- Frühling (Februar–Mai):
Gründung des Primärnests - Sommer (Mai–August):
Aufbau des Volkes, ggf. Wechsel zum Sekundärnest - Herbst (August–September):
Reproduktionsphase (Drohnen und Jungköniginnen) - Winter (ab September/Dezember):
Jungköniginnen verlassen das Nest → Nest stirbt ab - Überwinterung:
Nur Jungköniginnen überleben und gründen im Folgejahr neue Nester
Ein ausgewachsenes Volk hat einen enormen Nahrungsbedarf: bis zu 11,3 kg Insektenbiomasse werden pro Saison benötigt – ein Großteil davon stammt aus erbeuteten Insekten, darunter auch Honigbienen.
Wirtschaftliche Auswirkungen und Management
Die Bekämpfung verursacht erhebliche Kosten:
- In Nachbarländern entstanden bereits hohe Kosten durch Nestentfernungen
- 2024: ca. 350.000 € für Nestentfernungen in Baden-Württemberg
- 2025: rund 100.000 € für Entfernungen + 25.000 € für Schulungen
Trotz dieses Aufwands konnte die Ausbreitung nicht gestoppt werden.
Daher erfolgte eine Umstellung der Strategie:
- Früher:
Beseitigungsverpflichtung (vollständige Entfernung aller Nester) - Heute:
Managementansatz
Frühjahrsmaßnahme: Locktöpfe gegen Jungköniginnen
Im zeitigen Frühjahr kann die Ausbreitung gezielt verlangsamt werden. Während die Königin ihr Embryonalnest aufbaut, ist sie allein unterwegs und auf Nahrungssuche.
Wichtig:
- Einsatz im frühen Frühjahr
- Fänge melden und verifizieren lassen!
- Geschützte Arten dürfen nicht beeinträchtigt werden
Herkunft und Verbreitung
Die Asiatische Hornisse wurde vermutlich über den internationalen Warenverkehr aus China eingeschleppt. Das erste Nest wurde 2004 in Südfrankreich entdeckt. Seitdem breitet sich die Art mit etwa 80 km pro Jahr weiter aus.
- 2010: Spanien
- 2011: Portugal, Belgien
- 2012: Italien
- 2014: Deutschland (zunächst Südwesten, Hamburg erst 2019)
- 2016–2024: weitere Ausbreitung nach ganz Europa
Seit 2017 gilt Frankreich als vollständig besiedelt. Auch Deutschland ist inzwischen großflächig betroffen – ein klares Zeichen dafür, dass sich die Art dauerhaft etabliert hat.
Gefahr für Bienen und Ökosystem
Die Asiatische Hornisse ist eine invasive gebietsfremde Art und stellt eine ernstzunehmende Gefahr dar:
- für die Biodiversität
- für die Imkerei
- für die Landwirtschaft
Besonders problematisch ist ihr Jagdverhalten vor den Bienenstöcken. Während Bienenvölker im Sommer natürlicherweise abnehmen, steigt gleichzeitig die Population der Hornisse stark an. Dadurch entsteht ein kritisches Ungleichgewicht.
Folgen:
- Flugparalyse: Bienen trauen sich nicht mehr aus dem Stock
- Schwächung der Völker, insbesondere kleiner und schwacher Einheiten
- Anpassungen in der Völkerführung werden notwendig
Wichtige Hinweise für den Umgang
In Nestnähe können Asiatische Hornissen aggressiv reagieren. Stiche sind schmerzhaft und können allergische Reaktionen auslösen.
Nester sind einjährig: Im Winter sind beschädigte oder offene Nester nicht mehr aktiv.
Bitte beachten: Die Europäische Hornisse ist geschützt. Ein Töten heimischer Wespen und Hornissen ist verboten – eine Verwechslung muss unbedingt vermieden werden!
Sichtungen melden – gemeinsam handeln
Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die frühzeitige Meldung von Sichtungen. Nur so kann die Ausbreitung überwacht und vielleicht auch eingedämmt werden.
Meldungen bitte über:
https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/asiatische-hornisse
Empfohlene Vorgehensweise:
- Abstand halten und Ruhe bewahren
- Nest nicht stören
- Foto machen und Standort notieren
- Sichtung melden
- Anweisungen abwarten
Zusätzlich:
- Informationen weitergeben
- Wachsamkeit in der Öffentlichkeit fördern
Handlungsempfehlungen für Imker im Spätsommer/Herbst
Nach der Honigernte trifft vieles zusammen: Varroabehandlung, Aufbau der Winterbienen – und gleichzeitig erreicht die Asiatische Hornisse ihre größte Populationsstärke und ihren höchsten Proteinbedarf.
Zum Schutz der Bienenvölker empfiehlt sich:
- Flugloch einengen (ca. 5,4 mm Höhe, nur wenige Bienen breit)
- Einsatz von „Maulkörben“ oder Fluglochgittern
- Hohes Gras vor dem Flugloch kann den Jagdflug stören und Flugparalyse reduzieren
Ab Oktober und bei starkem Beflug:
- Absperrgitter zwischen Gitterboden und unterer Zarge
- Schutz der Wintertraube
